Richtlinie 2012/19/EU

WEEE — Elektroaltgeräte, Registrierung und die Kategorie, die sich errechnet

Die WEEE-Richtlinie regelt, was mit Elektro- und Elektronikgeräten am Ende ihres Lebens geschieht — und wer dafür zahlt. Wer solche Geräte in einem Mitgliedstaat in Verkehr bringt, muss sich dort registrieren und die Mengen melden.

Der Punkt, an dem in der Praxis die meisten Fehler entstehen, ist die Gerätekategorie. Sie ist keine Einschätzung und keine Auswahlliste, sondern folgt aus messbaren Eigenschaften: einer Außenkante von 50 Zentimetern und einer Bildschirmfläche von 100 Quadratzentimetern.

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Was ist die WEEE-Richtlinie?

Die Richtlinie 2012/19/EU über Elektro- und Elektronik-Altgeräte — nach ihrer englischen Bezeichnung Waste Electrical and Electronic Equipment als WEEE bekannt — begründet die erweiterte Herstellerverantwortung für Elektrogeräte.

Sie ist eine Richtlinie, keine Verordnung. Das ist mehr als eine Formalie: Jeder Mitgliedstaat hat sie in eigenes Recht umgesetzt, mit eigenen Registern, eigenen Fristen und teils abweichenden Auslegungen. In Deutschland geschieht das über das Elektro- und Elektronikgerätegesetz und die Stiftung EAR.

Wer in mehrere EU-Länder liefert, hat deshalb mehrere Registrierungen und mehrere Meldewege — anders als bei einer Verordnung wie der PPWR, die überall gleich lautet.

Wer ist betroffen?

Betroffen ist, wer Elektro- oder Elektronikgeräte in einem Mitgliedstaat erstmals in Verkehr bringt. Das umfasst mehr Unternehmen, als der Begriff „Hersteller" vermuten lässt:

  • Wer Geräte herstellt und unter eigenem Namen anbietet
  • Wer Handelsware unter eigener Marke verkauft — auch ohne eigene Fertigung
  • Wer aus einem Drittland einführt
  • Wer aus einem anderen Mitgliedstaat direkt an Endkunden verkauft — der Fernabsatz macht den Verkäufer im Zielland zum Verpflichteten

Der letzte Fall trifft den grenzüberschreitenden Onlinehandel regelmäßig unvorbereitet: Ein deutscher Händler, der ein Ladegerät nach Frankreich verschickt, ist dort Hersteller im Sinne der Richtlinie.

Die Kategorie ist eine Rechnung, keine Auswahl

Anhang III unterscheidet seit dem offenen Anwendungsbereich sechs Kategorien. Zwei davon trennen sich nicht nach Gerätetyp, sondern nach Maßen:

  • Großgeräte und Kleingeräte trennen sich allein an der Frage, ob eine Außenkante 50 Zentimeter überschreitet
  • Kategorie 2 — Bildschirme und Monitore — greift bei einer Bildschirmfläche über 100 Quadratzentimetern

Beides sind messbare Größen. Deshalb sollte die Kategorie abgeleitet werden, nicht ausgewählt: Wer sie von Hand setzt, erzeugt Abweichungen zwischen Artikeln, die eigentlich gleich einzuordnen wären — und merkt es erst, wenn die Mengenmeldung nicht zur Registrierung passt.

Die Kategorie entscheidet über die Sammelgruppe, über die Berechnungsgrundlage und damit über die Kosten.

Die WEEE-Registrierung

Vor dem ersten Inverkehrbringen steht die Registrierung im Zielland. Sie ist geräteartbezogen: Registriert wird nicht das Unternehmen allgemein, sondern je Geräteart, die angeboten werden soll.

In Deutschland vergibt die Stiftung EAR dafür eine WEEE-Registrierungsnummer. Sie gehört in den Geschäftsverkehr und wird von Marktplätzen abgefragt, bevor Angebote freigeschaltet werden. Fehlt sie, ist das Anbieten unzulässig — und die Plattform sperrt in der Regel schneller als die Behörde.

Nach der Registrierung folgen die laufenden Pflichten: Mengenmeldung der in Verkehr gebrachten Geräte, Garantie oder Sicherheitsleistung bei Geräten für private Haushalte, Rücknahme und Information der Endnutzer.

Jedes Land führt das eigenständig. Eine Registrierung in Deutschland gilt nicht in Frankreich oder den Niederlanden.

WEEE, RoHS und die Verpackung — drei Pflichten, ein Gerät

An einem einzigen Elektrogerät hängen typischerweise mehrere Regelwerke gleichzeitig, und sie fragen nach verschiedenen Dingen:

  • RoHS — welche Stoffe im Gerät enthalten sein dürfen, gemessen am homogenen Werkstoff
  • WEEE — wer die Entsorgung trägt und in welcher Menge
  • PPWR — die Verpackung, in der das Gerät ausgeliefert wird
  • Batterieverordnung — sobald eine Batterie eingebaut oder beigelegt ist
  • GPSR — für alle Sicherheitsaspekte, die keine speziellere Vorschrift abdeckt

Alle fünf greifen auf dieselben Artikelstammdaten zu: Maße, Gewichte, Materialien, Bauteile, Zielländer. Wer sie in getrennten Listen führt, pflegt dieselben Angaben mehrfach — und erzeugt Abweichungen.

Was PPWR-Ready bei WEEE abbildet

  • Gerätekategorie aus den Maßen abgeleitet — die 50-Zentimeter-Grenze und die Bildschirmfläche werden gerechnet, nicht abgefragt. Dieselben Maße ergeben dieselbe Kategorie, artikelübergreifend
  • Elektrogeräte auf demselben Artikelstamm wie Verpackungen und Batterien — keine zweite Produktliste
  • Registrierungen je Zielland mit Nummer, Stand und Zuständigkeit
  • Bewertung je Anforderung mit den Zuständen anwendbar, nicht anwendbar und unbekannt — samt Begründung
  • Nachweise und Lieferantenangaben über denselben Weg wie bei den anderen Regelwerken — angefordert und am Artikel geführt

Und wo die Grenzen liegen

  • Keine Registrierung bei der Stiftung EAR oder einem anderen nationalen Register. Die Anmeldung erfolgt dort direkt; die Software führt die Registrierungsdaten, beantragt sie aber nicht.
  • Keine Mengenmeldung an die nationalen Register. Die Meldewege sind je Land unterschiedlich ausgestaltet.
  • Keine Garantiestellung. Die insolvenzsichere Garantie für Haushaltsgeräte ist ein Finanzprodukt, kein Softwaremerkmal.

PPWR-Ready ist ein unabhängiges Softwareunternehmen und keine Rechtsberatung. Die Software unterstützt bei Erfassung, Kategorisierung und Nachweisführung; die Verantwortung für Registrierung und Meldung bleibt beim Unternehmen.

Häufige Fragen zu WEEE

Brauche ich in jedem EU-Land eine eigene WEEE-Registrierung?

Ja. WEEE ist eine Richtlinie, die jeder Mitgliedstaat eigenständig umgesetzt hat. Wer in mehrere Länder liefert, registriert sich in jedem Zielland und meldet dort gesondert.

Wie wird die Gerätekategorie bestimmt?

Über messbare Eigenschaften: Groß- und Kleingeräte trennen sich an einer Außenkante von 50 Zentimetern, Bildschirme und Monitore an einer Bildschirmfläche über 100 Quadratzentimetern. Die Kategorie sollte deshalb aus den Maßen abgeleitet und nicht geschätzt werden.

Gilt WEEE auch für eingebaute Elektronik?

Wenn ein Erzeugnis für seinen bestimmungsgemäßen Gebrauch elektrischen Strom benötigt, ist es in der Regel ein Elektrogerät — auch wenn Elektronik nicht sein Hauptzweck ist. Leuchtende Schuhe und beheizte Kleidung fallen darunter.

Was ist der Unterschied zwischen WEEE und RoHS?

RoHS regelt, welche Stoffe im Gerät enthalten sein dürfen. WEEE regelt, was am Ende seines Lebens damit geschieht und wer die Kosten trägt. Beide gelten nebeneinander für dasselbe Gerät.

Was passiert ohne Registrierungsnummer?

Das Anbieten ist unzulässig. In der Praxis greifen Marktplätze zuerst: Sie fragen die Nummer ab und schalten Angebote ohne sie nicht frei.

Quellen

Diese Seite fasst den Stand vom 28. September 2026 zusammen und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die Richtlinie und ihre jeweilige nationale Umsetzung, die sich zwischen den Mitgliedstaaten unterscheidet.

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