Richtlinie 2011/65/EU
RoHS — Stoffbeschränkungen in Elektro- und Elektronikgeräten
Die RoHS-Richtlinie beschränkt zehn Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten. Entscheidend ist dabei ein Detail, das in der Praxis die meisten Fehler verursacht: Die Grenzwerte gelten nicht am Gerät und nicht am Bauteil, sondern am homogenen Werkstoff.
Daraus folgt, warum RoHS kein einzelner Labortest ist: Um die Einhaltung zu belegen, braucht ein Unternehmen Angaben über jeden Werkstoff in jedem Bauteil — und die kommen fast immer aus einer Lieferantenselbstauskunft.
Die Prüfung ist kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar. Sie ermittelt Ihre Betroffenheit — nicht Ihren vollständigen Umsetzungsstand.
Was ist RoHS?
RoHS steht für Restriction of Hazardous Substances — die Richtlinie 2011/65/EU zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten. Sie wird häufig „RoHS 2" genannt, weil sie die frühere Richtlinie 2002/95/EG abgelöst hat.
Als Richtlinie — nicht als Verordnung — gilt sie nicht unmittelbar, sondern über das nationale Umsetzungsrecht der Mitgliedstaaten. In Deutschland geschieht das über die Elektro- und Elektronikgeräte-Stoff-Verordnung.
Ihr Zweck ist stofflich: Sie soll verhindern, dass bestimmte Schwermetalle und Flammschutzmittel über Elektrogeräte in die Umwelt gelangen — und sie erleichtert damit zugleich die spätere Verwertung.
Für welche Produkte gilt RoHS?
Für Elektro- und Elektronikgeräte — also Geräte, die zu ihrem ordnungsgemäßen Betrieb elektrische Ströme oder elektromagnetische Felder benötigen. Der Anwendungsbereich ist weit: Die Europäische Kommission formuliert ihn so, dass alle Produkte mit einem elektrischen oder elektronischen Bestandteil den Beschränkungen entsprechen müssen, sofern sie nicht ausdrücklich ausgenommen sind.
Entscheidend ist deshalb die Prüfung in zwei Schritten: Fällt das Gerät unter eine der Gerätekategorien des Anhangs I? Und: Greift eine der Ausnahmen vom Anwendungsbereich? Die Richtlinie nimmt bestimmte Gerätearten ausdrücklich aus — darunter etwa Ausrüstung für militärische Zwecke oder bestimmte ortsfeste Großanlagen.
Eine häufige Verwechslung: Die elf Kategorien des RoHS-Anhangs I sind nicht dieselben wie die sechs Kategorien des WEEE-Anhangs III. Wer die WEEE-Einstufung eines Geräts übernimmt, ordnet es für RoHS womöglich falsch ein.
„Elektronikprodukt, also RoHS" ist deshalb zu kurz gegriffen. Die Einordnung gehört je Gerät dokumentiert — samt Begründung, wenn ein Ausschluss in Anspruch genommen wird.
Welche Stoffe beschränkt RoHS?
Derzeit zehn Stoffe. Sechs davon standen von Anfang an in Anhang II; vier Phthalate kamen später durch die Delegierte Richtlinie (EU) 2015/863 hinzu.
| Stoff | Höchstwert im homogenen Werkstoff |
|---|---|
| Blei | 0,1 % |
| Quecksilber | 0,1 % |
| Cadmium | 0,01 % |
| Sechswertiges Chrom | 0,1 % |
| Polybromierte Biphenyle (PBB) | 0,1 % |
| Polybromierte Diphenylether (PBDE) | 0,1 % |
| DEHP · BBP · DBP · DIBP (vier Phthalate) | siehe Anhang II |
Zur Tabelle: Die sechs Zahlenwerte sind an der Richtlinie geprüft. Für die vier Phthalate wird hier bewusst kein Wert genannt, weil er für diese Seite nicht an der Primärquelle verifiziert wurde — maßgeblich ist in jedem Fall Anhang II in seiner geltenden Fassung. Der Anhang wird fortgeschrieben; eine abgeschriebene Liste veraltet.
Cadmium fällt auf: Sein Höchstwert liegt zehnmal niedriger als der der übrigen Stoffe. Wer pauschal mit 0,1 % rechnet, übersieht genau diesen Fall.
Warum der Grenzwert am homogenen Werkstoff gilt
Artikel 4 Absatz 2 bestimmt, dass in homogenen Werkstoffen nicht mehr als der in Anhang II aufgeführte Konzentrationshöchstwert in Gewichtsprozent toleriert wird. Ein homogener Werkstoff ist ein Material, das sich nicht mechanisch in verschiedene Materialien zerlegen lässt — eine Lötstelle, eine Kunststoffummantelung, eine Beschichtung.
Das ist der Unterschied zwischen konform und nicht konform: Dieselbe Menge Blei kann im Lötzinn 0,3 % ergeben — und auf das Gesamtprodukt gerechnet 0,004 %. Die erste Zahl überschreitet den Grenzwert, die zweite sieht unauffällig aus. Verwertbar ist nur die erste.
Eine Angabe wie „0,05 % Blei im Bauteil" beantwortet die Frage deshalb nicht. Sie ist kein Beleg für Einhaltung, sondern eine Angabe mit unklarem Bezug — und muss als solche behandelt werden, nicht als Entwarnung.
Ein zweites Detail mit Folgen: Die Formulierung lautet „nicht mehr als". Ein Wert genau auf dem Grenzwert ist damit noch zulässig — Cadmium mit exakt 0,01 % ist eingehalten, aber ohne jeden Spielraum. Solche Fälle gehören gesondert vermerkt, nicht stillschweigend als unauffällig abgelegt.
Was bedeutet RoHS-Konformität?
Dass ein Gerät die Stoffbeschränkungen einhält — und dass das Unternehmen es belegen kann. Der Nachweis besteht nicht aus einem einzelnen Prüfbericht, sondern aus der Kette: Anwendungsbereich geklärt, Werkstoffe bekannt, Konzentrationen mit dem richtigen Bezug erfasst, Ausnahmen geprüft, Bewertung dokumentiert.
RoHS ist dabei in den allgemeinen europäischen Konformitätsrahmen eingebettet: Der Hersteller führt das Konformitätsbewertungsverfahren durch, erstellt die technische Dokumentation, stellt die EU-Konformitätserklärung aus und bringt anschließend die CE-Kennzeichnung an. Artikel 7 der Richtlinie fasst diese Herstellerpflichten zusammen.
Ein Labortest allein macht also nicht konform. Er kann ein Baustein der Nachweisführung sein — die Bewertung und die Erklärung ersetzt er nicht.
Braucht man eine RoHS-Konformitätserklärung?
Ja — allerdings nicht als eigenständiges Dokument neben allen anderen. RoHS verlangt eine EU-Konformitätserklärung nach dem allgemeinen Muster des europäischen Produktrechts, in der die Richtlinie 2011/65/EU als einschlägiger Rechtsakt aufgeführt wird.
Gelten für dasselbe Gerät mehrere Rechtsakte — etwa zusätzlich Vorschriften zur elektrischen Sicherheit und zur elektromagnetischen Verträglichkeit —, lassen sich die Erklärungen in der Regel zu einer einzigen zusammenfassen, die alle einschlägigen Rechtsakte nennt.
Was eine Konformitätserklärung allgemein enthält, wer sie unterschreibt und welche Unterlagen dahinterstehen, erklärt die Seite Konformitätserklärung.
Wie wird RoHS-Konformität nachgewiesen?
Der Weg führt vom Gerät bis zum einzelnen Werkstoff und wieder zurück:
Gerät → Bauteile → Werkstoffe → Lieferantenangaben → Nachweise → Bewertung → technische Dokumentation → Erklärung
- Anwendungsbereich klären — Kategorie nach Anhang I, mögliche Ausschlüsse, eigene Rolle.
- Bauteile erfassen — die Stückliste ist der Ausgangspunkt.
- Werkstoffe je Bauteil bestimmen — hier entscheidet sich, ob die späteren Zahlen verwertbar sind.
- Konzentrationen erfassen, mit ausdrücklichem Bezug. Ohne die Angabe, worauf sich ein Prozentwert bezieht, ist er wertlos.
- Ausnahmen prüfen — Anhang III und IV, jeweils mit Anwendungsbereich und Frist.
- Bewertung dokumentieren, einschließlich der Fälle, in denen ein Wert fehlt oder unklar ist.
- Technische Dokumentation und Erklärung erstellen, CE anbringen.
Die Schritte drei und vier sind der eigentliche Aufwand — und der Grund, warum RoHS ohne strukturierte Bauteil- und Werkstoffdaten kaum zu belegen ist.
Welche Rolle spielen Lieferanten?
Eine entscheidende. Kaum ein Hersteller kennt die Werkstoffzusammensetzung jedes zugekauften Bauteils aus eigener Anschauung. Die Angaben kommen vom Bauteillieferanten — und sie kommen oft in einer Form, die den Bezug offenlässt.
Typisch ist eine pauschale Bestätigung „RoHS-konform" ohne Angabe zu Werkstoffen, Konzentrationen oder in Anspruch genommenen Ausnahmen. Als Nachweis trägt das wenig: Es belegt nicht, worauf sich die Aussage stützt.
Brauchbar sind Angaben, die den Werkstoff benennen, die Konzentration mit Bezug angeben und eine etwaige Ausnahme mit Anhang und Nummer nennen — datiert und dem Bauteil zugeordnet. Die Verantwortung für die Erklärung bleibt in jedem Fall beim Hersteller des Geräts.
Was gilt bei Ausnahmen?
Die Richtlinie lässt für bestimmte Anwendungen Ausnahmen zu — Anhang III allgemein, Anhang IV für Medizinprodukte sowie Überwachungs- und Kontrollinstrumente. Eine Ausnahme gilt immer nur für den dort beschriebenen Anwendungsfall, nicht für einen Stoff schlechthin.
Zwei Dinge sind dabei zu beachten: Ausnahmen sind befristet und werden regelmäßig überprüft. Und sie müssen zum konkreten Fall passen — eine Ausnahme, die für eine bestimmte Bauform gilt, deckt eine andere nicht.
Praktisch heißt das: Wer eine Ausnahme in Anspruch nimmt, dokumentiert Anhang, Nummer, Anwendungsbereich und Gültigkeitsdauer. Eine Ausnahme, deren Anwendbarkeit unklar ist, ist kein Nachweis der Einhaltung — sie ist ein offener Punkt.
Wie lange müssen die Nachweise aufbewahrt werden?
Die Aufbewahrungspflicht für technische Dokumentation und EU-Konformitätserklärung ergibt sich aus Artikel 7 der Richtlinie; die konkrete Dauer ist dort geregelt. Auf dieser Seite wird bewusst keine Zahl genannt, weil sie für diese Darstellung nicht an der Primärquelle geprüft wurde — maßgeblich ist der Richtlinientext in seiner geltenden Fassung.
Allgemein gilt im europäischen Produktrecht der Grundsatz, dass Unterlagen für einen Zeitraum aufzubewahren sind, der dem Lebenszyklus des Produkts und der Schwere der Gefahren angemessen ist. Eine einheitliche Frist über alle Rechtsakte hinweg gibt es nicht — Näheres dazu auf der Seite Konformitätserklärung.
Was passiert bei Änderungen am Produkt?
Jede Änderung an einem Bauteil oder an dessen Werkstoffen kann die RoHS-Bewertung verändern — auch dann, wenn das Gerät äußerlich gleich bleibt. Ein anderer Lieferant für denselben Steckverbinder kann ein anderes Lötzinn bedeuten.
Deshalb hängt die Konformitätserklärung an einem Datenstand, nicht an einem Produktnamen. Ändert sich ein Bauteil, ist zu prüfen, ob die Bewertung noch trägt; ändert sich das Ergebnis, ist eine neue Erklärung auszustellen und die alte abzulösen.
Ebenso wirkt der Ablauf einer Ausnahme: Er verändert nicht das Produkt, aber seine rechtliche Bewertung. Wer Ablaufdaten nicht führt, merkt das erst, wenn jemand fragt.
RoHS, REACH, WEEE und CE — die Abgrenzung
Diese vier werden häufig vermengt. Sie können dasselbe Gerät betreffen, verfolgen aber unterschiedliche Zwecke:
- RoHS beschränkt bestimmte Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten, mit festen Höchstwerten am homogenen Werkstoff.
- REACH ist ein eigenes, viel breiteres Chemikalienregime für Stoffe allgemein — mit eigenem Anwendungsbereich, eigenen Pflichten und einer fortgeschriebenen Kandidatenliste besonders besorgniserregender Stoffe. RoHS-Konformität sagt nichts über REACH-Pflichten aus und umgekehrt.
- WEEE regelt Rücknahme und Entsorgung von Elektro- und Elektronikaltgeräten, nicht ihre stoffliche Zusammensetzung. Und: Die Gerätekategorien unterscheiden sich von denen der RoHS.
- CE ist kein Regelwerk, sondern ein Zeichen. Es zeigt, dass der Hersteller die Konformität mit allen einschlägigen Rechtsakten erklärt hat — RoHS kann einer davon sein.
Ein Gerät kann gleichzeitig unter RoHS, REACH, WEEE und weitere Vorschriften fallen. Jede verlangt eigene Angaben — die sich aber weitgehend aus denselben Stamm- und Bauteildaten speisen.
Wie PPWR-Ready RoHS abbildet
RoHS liegt in PPWR-Ready nicht als eigene Insel neben dem Produkt, sondern auf denselben Artikel-, Bauteil- und Lieferantendaten wie die übrigen Regelwerke:
- Anwendungsbereich je Gerät — Kategorie nach Anhang I, Ausschluss mit Begründung, eigene Rolle
- Stoffangaben am Bauteil mit CAS- und EG-Nummer, Konzentration, Nachweisart — und dem ausdrücklichen Bezug der Konzentrationsangabe
- Bezug „homogener Werkstoff" als Bedingung: Eine Angabe mit anderem Bezug gilt als nicht verwertbar — nicht als eingehalten. Das ist die technische Umsetzung von Artikel 4 Absatz 2.
- Neun unterschiedliche Befunde statt „grün oder rot": eingehalten, am Grenzwert, überschritten, Bezug unklar, Wert fehlt, durch Ausnahme gedeckt, Ausnahme unklar, Ausnahme erst künftig gültig, Ausnahme abgelaufen
- Ausnahmen mit Anhang, Nummer, Anwendungsbereich und Gültigkeitszeitraum — eine Ausnahme mit unklarem Status führt nicht zu „erfüllt"
- Lieferantenanfragen zu fehlenden Stoffangaben, mit Frist und Zuordnung zu den betroffenen Artikeln
- EU-Konformitätserklärung mit eingefrorenem Datenstand, Prüfsumme, Versionierung und Ablösekette — dieselbe Mechanik wie bei den übrigen Regelwerken, mit RoHS als angegebener Rechtsgrundlage
Eine bewusste Entscheidung, die zur Sache gehört: PPWR-Ready liefert keinen fertigen Ausnahmenkatalog mit. Ein maschineller Auszug der Anhänge III und IV erzeugte im Versuch 404 statt rund 100 Einträge und kein einziges verwertbares Ablaufdatum — ein solcher Katalog wäre schlechter als keiner, weil man ihm vertraut. Was in Anspruch genommen wird, trägt das Unternehmen ein; die Software prüft Frist und Anwendungsbereich. — PPWR-Ready ist ein unabhängiges Softwareunternehmen und keine Rechtsberatung; Bewertung und Erklärung verantwortet das Unternehmen.
Häufige Fragen zu RoHS
Gilt RoHS für alle Elektronikprodukte?
Nahezu — aber nicht ausnahmslos. Alle Produkte mit einem elektrischen oder elektronischen Bestandteil müssen den Beschränkungen entsprechen, sofern sie nicht ausdrücklich ausgenommen sind. Die Richtlinie nimmt bestimmte Gerätearten vom Anwendungsbereich aus, etwa Ausrüstung für militärische Zwecke.
Reicht ein Labortest für den RoHS-Nachweis?
Nein. Ein Test kann ein Baustein sein, ersetzt aber weder die Klärung des Anwendungsbereichs noch die Werkstoff- und Lieferantenangaben, die Prüfung von Ausnahmen, die technische Dokumentation oder die Konformitätserklärung.
Worauf beziehen sich die RoHS-Grenzwerte?
Auf den homogenen Werkstoff — nicht auf das Gerät und nicht auf das Bauteil. Ein homogener Werkstoff lässt sich nicht mechanisch in verschiedene Materialien zerlegen. Eine Konzentrationsangabe ohne diesen Bezug ist als Nachweis nicht verwertbar.
Ist eine Lieferantenbestätigung „RoHS-konform" ausreichend?
In dieser Form meist nicht. Sie lässt offen, welche Werkstoffe betrachtet wurden, welche Konzentrationen vorliegen und ob eine Ausnahme in Anspruch genommen wurde. Die Verantwortung für die Erklärung bleibt beim Hersteller des Geräts.
Ist RoHS dasselbe wie REACH?
Nein. RoHS beschränkt bestimmte Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten mit festen Höchstwerten. REACH ist ein eigenständiges, deutlich breiteres Chemikalienregime mit anderem Anwendungsbereich und anderen Pflichten. Die Einhaltung des einen sagt nichts über das andere aus.
Was ist der Unterschied zwischen RoHS und WEEE?
RoHS regelt, welche Stoffe in einem Gerät enthalten sein dürfen. WEEE regelt Rücknahme und Entsorgung von Altgeräten. Beide können dasselbe Gerät betreffen — ihre Gerätekategorien sind jedoch unterschiedlich definiert.
Quellen
- Richtlinie 2011/65/EU — Artikel 4 (Beschränkungen, homogener Werkstoff), Artikel 7 (Herstellerpflichten), Anhang I (Kategorien), Anhang II (Stoffe und Höchstwerte), Anhänge III und IV (Ausnahmen)
- Delegierte Richtlinie (EU) 2015/863 — Aufnahme der vier Phthalate in Anhang II
- Europäische Kommission — RoHS-Richtlinie: zehn beschränkte Stoffe, Anwendungsbereich
- ECHA — Restricted substances under Article 4(1), Annex II
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